Meine erste Pressereise. Nach Berlin. Berlin!

Meine erste Pressereise. Nach Berlin. Berlin!

Blogger. Ein Begriff mit dem ich mich bisher nie wirklich identifiziert habe. Aber da ich einen Blog habe, kann ich mich dieser Bezeichnung sicherlich unterordnen. Nun, da ich meine erste Bloggerreise hinter mir habe, geht wohl auch kein Weg dran vorbei. Blogger.

Aber ich will mich jetzt nicht mit Begrifflichkeiten herumschlagen. Wie immer soll es um das Fahrrad gehen. Und Radfahren. Vekehrspolitik. Naja, und vielleicht ein bisschen um das bloggen. Bloggediblogblog. Der Blog. Das Blog. Blog. Blog. Blog.

Über die Fahrrad-Bloggervereinigung The Wriders Club habe ich einen Aufenthalt im Fahrrad- und Radfahrer*innenfreundlichen Flottwell-Hotel gewonnen. Berlin ist selbstverständlich immer eine Reise wert. Und da ich aufgrund meiner bisweilen 10-wöchigen Verletzungspause ohnehin zur Passivität gezwungen bin und nicht wie gewohnt auf und mit dem Fahrrad unterwegs sein kann, nahm ich das Angebot gerne an.

Unter anderen Umständen hätte ich einen Freund mit dem Fahrrad bei einem Ultralauf begleitet. Anstatt also schlaflos durch den Harz zu rollern, tuckerte ich mit der Bahn durch die halbe Republik, kontaktierte ein paar Freunde in der Hauptstadt und entfloh dem nahenden Wettereinbruch der verfrühten Sommerwärme gen Osten. Hauptstadt!

Als passenden Einstieg besuchte mich tags zuvor ein Freund samt Anhang aus Groningen. Er gönnte sich eine zünftige Radtour vom Taunus in die Eifel. Mit dem Fixie. Nix für mich, auch nicht mit gesundem Bein.

Entlang des Spreeufers gibt es allerhand zu sehen.

Nachdem ich mich in den Osterferien kaum bewegt hatte, hegte ich insgeheim den Wunsch in Berlin mein Fahrrad-Comeback zu begehen. Toi toi toi. Denn was ist schließlich besser, als bei sonnigem Wetter eine Stadt zu erkunden? Pünktlich (lief ausnahmsweise mal bei der Bahn…) erreichte ich den Berliner Hauptbahnhof und war sofort überwältigt von der entspannten, internationalen Atmosphäre. Hauptstadtliebe. Man tritt vor den imposanten Glasbau des Bahnhofs und blickt auf das Bundeskanzleramt und den Reichstag. Dann spaziert man wenige Meter und ist am Spreeufer. Sehenswürdigkeiten am laufenden Band. Alles nichts Neues für mich, aber immer wieder beeindruckend. Ein bisschen wie der Dom in Köln. Aber Berlin ist einfach nochmal eine andere Nummer. Sorry, Köln. (Trotzdem gilt: Home is where the Dome is!).

Der Weg zu meiner Übernachtungsgelegenheit führte mich vorbei am Brandenburger Tor. Immer wieder gut für ein Selfie!

Genug geschwärmt. Fahrrad fahren, hatte ich ja gesagt. Nachdem ich mich für LIDL-Bike, ehemals Nextbike von der Deutschen Bahn, als Bikesharing-Anbieter der Wahl entschieden hatte, begab ich mich auf die Suche. Was mir sofort negativ auffiel: Oft zeigt die App ein Fahrrad an, das dann gar nicht da ist. Ab und zu auch anders herum: Da steht dann ein Rad, aber es wird nicht in der App angezeigt. Das Miet-Prozedere klappt allerdings reibungslos. Meist zeigt die App die entsprechenden Fahrradnummern bereits an, ohne, dass man sie selbst eingeben muss. Alternativ kann man auch den QR-Code am Rad scannen. Anschließend wird ein vierstelliger Code angezeigt, den man dann auf dem Display am Fahrradlenker eintippt. Schloss entriegeln und los gehts. Viel mehr gibt es nicht zu sagen: Es ist ein robustes Fahrrad und daher auch entsprechend schwer. Aber wenn man erstmal rollt, dann rollt man auch gut. Der Sattel kann recht weit ausgefahren werden, sodass auch große Menschen bequem radeln können. Ab zwei Metern Größe würde es wohl unangenehm werden. Der Gepäckträger ist mit Gummi-Spanngurten ausgestattet. Schwerere Taschen oder Rucksäcke würde ich dennoch nicht dort verstauen, da die seitliche Absicherung fehlt. Das Beenden der Miete funktioniert ebenfalls reibungslos. Abstellen, verschließen und auf dem Display auf “Nein” drücken, es sei denn man möchte das Rad behalten und lediglich verschließen, um es später weiter zu benutzen.

Einfach Wow! Danke Berlin. Und das war erst der Anfang.

So bewegte ich mich fortan durch die Stadt. Bei dieser Bemerkung würde ich es unter normalen Umständen auch belassen. Aber nun war das die erste wirkliche Radfahrt seit mehr als zwei Monaten! Bis dato war ich maximal zum Bäcker und Einkaufen gefahren, also Fahrten von 5 Minuten. Heute machte ich aber so richtig Meter. Natürlich gemähchlich und immer mit halber Aufmerksamkeit auf die Außenseite meines rechten Knies (Läuferknie – bescheuerte Bezeichnung, wenn man das vom Rad fahren bekommt). Von Minute zu Minute wurde ich glücklicher. Die Sonne, der Fahrtwind, Fahrrad fahren! Es war die beste Radfahrt des Jahres. Und wird es sicherlich auch bleiben. Ich traf ein paar Freunde und machte das was man so macht, wenn man sich lange nicht gesehen hat: Bier trinken und lecker Essen. Was für ein toller Tag!

Entlang der Mauer.

Nachdem der Donnerstag recht lang war, ließ ich es am Freitag ganz gemächlich angehen. Liegen bleiben, während andere dem Ruf des Weckers folgen müssen und zu Arbeit aufbrechen. Dann das nächste Fahrrad suchen (dauerte wieder ein bisschen länger) und ein nettes Plätzchen zum frühstücken finden. Urlaub.

Zeitung lesen, Kaffee trinken, gemeinsames Mittagessen mit einem Kumpel, in der Sonne lümmeln, Eis essen. Sommer Ende April.

Dann konnte ich ins Hotel einchecken. Ich spazierte durch den Park am Gleisdreieck, den ich noch nicht kannte. Damals war ich mit meinem Vater noch durch ein Loch im Zaun geklettert um auf das Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs zu gelangen, heute ist es eine kleine Freizeitoase mit Radwegen, Spielplätzen, Basketballkörben, Skaterparks und Liegewiesen. Ein bisschen wie der Grüngürtel in Köln, aber eben alles eine Nummer hauptstadtmäßiger. Damit meine ich ordentlicher, neuer, schöner, durchdachter. Aber das ist meine Meinung. Übrigens bestand ehemals eine Debatte darüber, ob dort nicht eine Autobahn gebaut werden solle. Fahr Rad.

Überreste des ehemaligen Anhalter Bahnhofs. Heute dient das große Areal als Freizeit- und Verkehrsfreie Zone.

Der dort verlaufende Radweg ist Teil der Route Berlin-Leipzig. Aber das hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Im Flottwell-Hotel, welches im direkten Anschluss an den Park liegt, wurde ich herzlich empfangen und sogleich gefragt, ob ich mein Rad gerne im Keller abstellen möchte. Etwas schmerzlich, da ich natürlich liebend gerne mit dem eigenen Rad da gewesen wäre (Radtour nach Berlin steht nämlich noch aus!) musste ich verneinen, bat allerdings um ein Leihrad, damit ich nicht mehr auf die Bikesharing-Hobel angewiesen war. Das Hotel und sogar die Zimmer sind geschmückt von Fahrradbildern. In meinem Zimmer im ersten Stock war eine kleine Küche mit Kühlschrank, Herdplatte, Spülbecken, Geschirr und Besteck vorhanden, sodass man sich auch prima hätte selbst versorgen können. Nächstes mal. Mit Rad! Das Doppelbett war groß und bequem und auch sonst war alles anstandslos. Sauber, ordentlich, Note sehr gut. Einzig die Wifi-Verbindung in meinem Zimmer war etwas schwach. Aber nun gut.

Auf zum Blogger Infrastruktur Ride mit Mr. Radentscheid Heinrich Strößenreuther. Nachdem ich den Rest der Gruppe auf dem weitläufigen Tempelhofer Flughafengelände gefunden und kennengelernt hatte, ging es los. Ab hier mit einem E-Rennbike von Cannondale. Wer mich kennt, weiß sehr wohl was ich von E-Bikes halte. Nun denn. Da ich erstmal einfach nur überglücklich war überhaupt in der Lage sein zu können wieder beschwerdefrei Rad fahren zu können, nutzte ich das Elektro-Gedöns auch nicht. Mal abgesehen davon, dass ich etwas Respekt vor der elektronischen Unterstützung hatte. Schließlich hatte ich nicht vor bei einer meiner ersten Ausfahrten mit Vollgas in den mitunter halsbrecherischen Freitagabend Feierabendverkehr zu crashen.

Und hier ergibt sogleich die erste Überraschung: Das Rennrad ließ sich trotz des zusätzlichen Gewichts durch Motor und Akku gut fortbewegen. Könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass ich soviel mit den massiven Bikesharing-Panzern unterwegs gewesen war. Aber ernsthaft: Für ein E-Bike war der Renner tatsächlich erstaunlich leicht und überzeugte gleichzeitig mit Laufruhe und gutem Handling. Dann interessierte es mich selbstverständlich doch und spielte ein wenig mit den drei verschiedenen Antriebsmodi (Eco, Sport und Turbo). Das bedeutet eigentlich soviel wie: leichte, mittlere und starke Unterstützung. Erst jetzt Begriff ich, dass die elektronische Unterstützung nur anspringt, wenn man auch Kraft auf die Pedale ausübt. Das war ein kleiner Aha-Moment und beseitigte somit meine Sorgen um ein unkontrolliertes Voranpreschen. So weit, so gut. Jetzt muss ich aber doch noch meinen voreingenommenen Senf dazugeben: Der Elektroantrieb riegelt bei 27 km/h pro Stunde ab. Das ist ohne Frage ein vernünftiges Tempo, doch kann und will ich durchaus auch mal schneller unterwegs sein. Zumindest mit einem Rennrad. Hier beißt sich die Katze dann etwas in den Schwanz. Denn schalte ich den Motor aus, wird es schon wieder schwer durch das zusätzliche Gewicht diese Geschwindigkeit zu erreichen. Naja, aber die Zielgruppe für E-Rennräder ist wohl auch nicht die, die Durchschnittsgeschwindigkeiten von 27 km/h fährt.

Nach diesen zwei kurzen Rezensionen zu den Rädern, möchte ich aber noch von der Radtour durch Berlin berichten. Wenn man sich ein kleines bisschen für Politik interessiert, hat man in den vergangenen Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon mal was vom Berliner Radentscheid gehört. Ein Volksbegehren, welches sich in Gestalt von Heinrich Strößenreuther personifiziert hat.

Heinrich Strößenreuther demonstriert in sportlicher Manier die Breite des neuen Radwegs.

“Mr. Radentscheid” erschien mit modernem Elektro-Klapprad, sonnengebräunt, aber ohne Helm und begrüßte jeden von uns persönlich. In den folgenden drei Stunden lernten wir exemplarisch die schönen, guten und schlechten Seiten des Berliner Fahrradwegenetzwerkes kennen. Als bereister Radfahrer habe ich natürlich viele Vergleichsmöglichkeiten aus dem In- und Ausland. Als hervorragendes Beispiel eines vorbildlichen Fahrradwegesystems fallen mir australische Städte wie Sydney und vor allem Brisbane ein. Was den innerdeutschen Vergleich angeht, kann ich am ehesten Aussagen über meine langjährige Wahlheimat Köln machen. Nach meinem Empfinden hat da Berlin die Nase vorn. Aber auch dort ist die Liste der möglichen Verbesserungen lang. Sehr, sehr lang. Ganz im Gegensatz zu so manch gefeiertem modernen Radweg, die im besten Fall ein paar hundert Meter messen. Ich fand es überaus spannend, bereichernd und Augen öffnend, denn so intensiv habe ich mich bislang noch nicht mit Thema beschäftigt, was einen wirklich guten, d.h. sicheren, Radweg ausmacht und wie solche nachträglich in das vollgestopfte Straßensystem unserer Städte integriert werden kann.

Unterwegs mit dem Wriders Club. Schön war es.

Doch es ging nicht nur um Radwege, sondern überhaupt um den Lebensraum Straße. Soll heißen: Wie kann “toter” Raum sinnvoll genutzt werden? Beispielhaft sind die Freiflächen an Kreuzungen zu nennen. Also Orte an denen man ohnehin nicht parken darf. Diese Flächen könnten problemlos als Fahrradstellplatz dienen oder als zusätzliche Sitzgelegenheit – oder wie wäre es mit Urban Gardening. Die Fantasie kennt keine Grenzen. Die Politik schon.

So denn. Die Farben der Radwege sind übrigens absolut willkürlich. Will heißen, ob der Weg rot, grün oder braun ist, ist nirgends festgelegt. So sind die neueren Radwege in Berlin in der Regel grün, ältere rot, was die Stadt bunter, aber keinen so richtig schlauer macht. Meiner Meinung wäre eine einheitliche Farbgebung am sinnvollsten, um Autofahrer entsprechend zu konditionieren. Das bunte Allerlei trägt doch letztendlich nur zur weiteren Verwirrung und Verunsicherung im ohnehin schon bunten Verkehrsalltag bei.

Currywurst am Brandenburger Tor bei Sonnenuntergang. Mehr Berlin geht kaum.

Nach einem Currywurst-Stop am Brandenburger Tor zum Sonnenuntergang, beendeten wir die Fahrt in Kreuzberg. Dort wo jeden letzten Freitag im Monat die Critical Mass zu ihrer Rundfahrt aufbricht. An diesem Abend waren gute 1800 Teilnehmer unterwegs (der Rekord liegt bei 8000 (what?!). Ein buntes Treiben aus interessanten Menschen, Fahrrädern und Musik. Stets begleitet vom hellen Ton der Fahrradklingeln. Und der Polizei.

Für mich war an diesem Punkt Feierabend. Im nächsten Bericht werde ich meine Eindrücke und Erlebnisse von der VELO Berlin schildern.

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